Munich Neuroscience Calendar

Event:

25.01.2018, 17:00 TUM Institute for Medical Engineering

Event Type: Talk
Speaker: Annette Leonhardt
Institute: Lehrstuhl für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik, LMU

Title: CI-Versorgung von Kindern gehörloser Eltern - Ausgewählte Ergebnisse aus einem Forschungsprogramm

Location:
Hörzentrum München - Klinikum rechts der Isar
Ismaninger Straße 33
81675 München

Host: HöReN Research Network
Host Email: miguel.obando@tum.de
Abstract:
Ende der 1980er Jahre wurden in Hannover die ersten Cochlea Implantationen bei (jungen) Kindern vorgenommen. Zu dieser Zeit hielt man es noch für nahezu ausgeschlossen, dass auch gehörlose Eltern ihr Kind mit CI versorgen lassen. Die gehörlosen Erwachsenen standen zu dieser Zeit dem CI verhalten bis vehement ablehnend gegenüber. Dennoch wurden bereits Mitte der 1990er Jahre erstmalig gehörlose Kinder von gehörlosen Eltern mit CI versorgt (Begall 1995).

Seit 2000 besteht das Forschungsprogramm CI-Versorgung von Kindern gehörloser Eltern, dass inzwischen sieben Teilstudien umfasst: Nach der Pilotstudie (2001-2004) folgte die Erarbeitung von speziellen Informationsmaterialien (Teilstudie 2) für gehörlose Eltern über die CI-Versorgung (2006-2009).

Weitere Teilprojekte beschäftigen sich mit
- der Wortschatzentwicklung in Laut- und Gebärdensprache dieser Kinder (Gebärdensprache als Familiensprache, Lautsprache als Brücke zur Welt der Hörenden) (Teilprojekt 3),
- der Familiensituation dieser Familien (Teilprojekt 4) und
- einer Befragung junger Erwachsener – die als Kinder gehörloser Eltern mit CI versorgt wurden – wie sie ihre CI-Versorgung aus heutiger Sicht bewerten (Teilprojekt 5).

In den verschiedenen Teilprojekten wurden unterschiedliche Forschungsmethoden eingesetzt: Interviews (Teilprojekt 1, 2, 3 und 5), AWST-R (Aktiver Wortschatztest für 3- bis 5-jährige Kinder) oder WWT (Wortschatz- und Wortfindungstest für 6 bis 10 Jährige), PERLESKO (für den gebärdensprachlichen Wortschatz) (Teilprojekt 4) und Familiensystemtest (FAST) (Teilprojekt 4).

Im Ergebnis aller Teilprojekte zeigt sich, dass die mit CI versorgten Kinder der hörgeschädigten Eltern gleiche Entwicklungen zeigen wie CI-Kinder hörender Eltern, wenn (und das ist die Voraussetzung) ein frühzeitiger und vom zeitlichen Umfang her ausreichender Kontakt zu Hörenden – z.B. durch hörende Bezugspersonen, Kinderkrippen- und Kindergartenbesuch, Teilnahme an Spielgruppen – gesichert ist. Für das Erlernen der Lautsprache sind die Kinder auf den Kontakt zu Hörenden angewiesen.
Die Familiensprache bleibt die Gebärdensprache. Die Kinder sind in der Lage, in beiden Sprachen adressaten- und situationsgerecht zu kommunizieren.
Vergleicht man die CI-Versorgung von Kindern hörender und gehörloser Eltern zeigen sich Besonderheiten, aber auch eine Vielzahl von Parallelen.