Munich Neuroscience Calendar

Event:

14.02.2019, 17:00 TUM Institute for Medical Engineering

Event Type: Talk
Speaker: Tobias Weißgerber
Institute: Audiologische Akustik, Universitätsklinikum Frankfurt am Main

Title: 30 Jahre Cochlea-Implantat in Frankfurt: Rückblick und aktuelle Forschungsthemen

Location:
Hörzentrum München
Ismaninger Str. 33
81675 München

Host: HöReN Research Network
Host Email: miguel.obando@tum.de
Abstract:
Gegen Mitte/Ende der 1980er Jahre begann der klinische Einsatz des transkutanen Mehrkanal Cochlea-Implantats. Am Universitätsklinikum Frankfurt werden seit 1988 Menschen mit Cochlea-Implantaten versorgt. Während in den Anfängen nur völlig ertaubte Patienten einseitig versorgt wurden, ist heute auch bei Restgehör (besonders im Tieftonbereich) die Versorgung möglich, wenn eine Versorgung mit Hörgeräten kein ausreichendes Ergebnis zeigt. Ebenso konnte bei beidohriger Indikation die bilaterale Versorgung, wie auch seit 2006 die Versorgung einseitig ertaubter Patienten etabliert werden.
Im Beitrag wird die Entwicklung des CI-Programms der HNO-Universitätsklinik Frankfurt dargestellt und aktuelle Ergebnisse einiger Forschungsschwerpunkte der Abteilung vorgestellt.

(1) Lückenhören bei CI: Normalhörende zeigen eine deutliche Verbesserung im Sprachverstehen bei der Anwesenheit zeitlicher Lücken in Störgeräuschen, während Nutzer von Cochlea-Implantaten (CIs) in diesen Hörsituationen häufig keinen Gewinn haben oder sich sogar verschlechtern. In einer aktuellen Studie konnte bei jungen bilateralen CI-Nutzern die Fähigkeit des Lückenhörens gezeigt werden.

(2) Einfluss von Hintergrundschallen auf die Kurzeitgedächtnisleistung (Irrelevant Sound Effect, ISE): Der ISE wurde erstmals bei CI-Nutzern nachgewiesen. Während sich der ISE in der gleichen Größenordnung wie bei Normalhörenden zeigte, hatten die CI-Nutzer selbst ohne Störgeräusch im Mittel eine um 10 Prozentpunkte schlechtere Kurzzeitgedächtnisleistung.

(3) Einfluss von Richtmikrofonen auf das Sprachverstehen von CI-Nutzern: Es wurde gezeigt, dass der Gewinn im Sprachverstehen durch Richtmikrofone sehr stark von der aktuellen Hörumgebung abhängt. Die Möglichkeit einer automatischen Szenenerkennung und Umschaltung der Richtmikrofone wurde nur in etwa 25 % der Patienten als Alltagseinstellung genutzt und von fast der Hälfte aller Patienten niemals eingestellt.


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